Routinen

Sagt man ihnen, dass sie neue Routinen einführen sollen, dann ist das für einige Menschen erstmal ein unangenehmer Gedanke. „Muss ich dann immer das gleiche essen?“ „Boa, so viel planen ist mir aber zu anstrengend.“ „Dann bin ich ja total unflexibel.“ „Das ist ja ein komplett langweiliges Leben.“

Tatsache ist, dass jeder von uns schon Routinen hat. Denn Routinen sind nichts anderes als Gewohnheiten, also Verhaltensmuster, die wir in unserem Leben Tag für Tag zeigen. Jetzt kannst Du sagen „ich mag meine Gewohnheiten“. Das ist in Ordnung, mir ging und geht es auch heute mit vielem so. Der Punkt dabei ist nur, dass ich dabei heute an komplett andere Gewohnheiten denke.

Unsere Routinen formen unser gesamtes Leben.
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Deine Routinen formen Dein Leben

Außerdem haben meine alten Verhaltensmuster mich an den Punkt geführt, an dem ich so unglücklich war, dass ich mich habe operieren lassen um mein Gewicht verringern zu können. Da brauchen wir nur eins und eins zusammen zu zählen um zu erkennen, dass dieselben Gewohnheiten, die zu über 60 Kilogramm Übergewicht geführt haben, mir nicht dabei helfen werden, den umgekehrten Weg einzuschlagen.

Denn das gehört zu den Dingen, die jeder, der viel Gewicht verlieren will, ob mit oder ohne OP, meiner Meinung nach unbedingt verinnerlichen muss: Du kannst nicht so weiter machen wie bisher und ein komplett anderes Ergebnis erwarten. Das wird nicht funktionieren. Auch nicht mit OP.

Wer sich den Magen verkleinern lässt und sonst nichts in seinem Leben verändert, der wird zwar abnehmen, aber lange nicht in dem Maße, wie er es sich vorstellt. Je nachdem, wie hinderlich die eigenen Verhaltensmuster sind, kann es sogar sein, dass gar keine Abnahme erreicht oder das verlorene Gewicht wieder zugenommen wird.

Was sind Dir Deine Routinen wert?

Wir kommen hier also an den Punkt, an dem Du Dich ganz ehrlich fragen musst, ob Deine liebgewonnenen Routinen Dir so viel wert sind, dass Du in dem momentanen Zustand verharren willst. Oder bist Du bereit, langfriste Veränderungen in einem täglichen Leben einzuführen, die Dir zu einem neuen, zufriedeneren Leben verhelfen.

Wenn Du jetzt noch weiterliest, dann habe ich wohl Glück und ich habe Dich mit meinen harten Worten nicht abgeschreckt. Dann können wir ja loslegen!

Tagesgeschäft

Unter Routinen verstehe ich vor allem das Verhalten, dass wir jeden Tag ganz automatisch ablaufen lassen. Wir denken nicht darüber nach. Wie es ist fühlt es sich gut und gemütlich an und ist, zumindest gefühlt, vielleicht auch mit dem geringsten Aufwand verbunden.

Überlege am besten einmal, welche Gewohnheiten Du in den folgenden Bereichen hast:

Ernährung

Ggf. getrennt nach Arbeitswoche und Wochenende. Was isst Du wann? Bereitest Du es selbst zu oder kaufst Du viel fertiges Essen (zum Beispiel im Imbiss oder auch im Laden zum aufwärmen)? Was beeinflusst Deine Mahlzeiten (Stress, Familie, geplante Aktivitäten)?

Bewegung

Hast Du egelmäßige Bewegung in Deinen Alltag integriert? Falls nicht, warum nicht?

Sport

Wie sehen Deine Sportgewohnheiten aus? Welche Priorität hat Sport für Dich? Ist es immer das erste, was wegfällt, wenn viel anderes anliegt?

Schlaf und Morgen- und Abendroutinen

Schläfst Du genug? Wie startest Du in den Tag und wie beendest Du ihn?

Wochenend- und Freizeitgestaltung

Was unternimmst Du regelmäßig? Was macht diese Unternehmungen aus (was gefällt Dir daran, geben sie Dir Kraft oder kosten sie Dich welche)? Wer bestimmt, was Du unternimmst? Hast Du auch Zeiten, die nur Dir gehören?

Was tun Deine Gewohnheiten für Dich?

Im Anschluss überlege Dir, welche von diesen Gewohnheiten Dich bei der Erreichung eines zufriedeneren Lebens und ggf. auch einer Abnahme unterstützen und welche nicht. Dabei geht es noch nicht darum, Dir Alternativen zu überlegen, das machst Du im Anschluss. Jetzt versuche erstmal möglichst neutral festzustellen, ob die einzelnen Gewohnheiten langfristig etwas Gutes für Dich tun. Die Langfristigkeit ist dabei ein wichtiger Aspekt.

Mein kurzfristiges Denken

Ich habe mir zum Beispiel früher jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit zwei belegte Brötchen fürs Frühstück gekauft. Damit die besonders gut schmecken, waren die nicht nur belegt, sondern auch mit Remoulade bestrichen. Oft habe ich mir dann bei der Gelegenheit noch für den Nachmittag ein Stück Kuchen oder etwas anderes Süßes mitgenommen. Kurzfristig gesehen ist das eine schöne Angewohnheit. Ich hatte was Leckeres zu Essen, musste mir keine weiteren Gedanken um mein Frühstück machen und nichts im Voraus planen. Gleichzeitig konnte ich mir noch was Appetitliches für den Nachmittag mitnehmen, dass meinem Gehirn viel Energie für den Nachmittag geliefert hat.

Langfristig gesehen muss ich aber zugeben, dass ich so nicht nur schon vor dem Frühstück dafür gesorgt habe, dass ich eine Kalorienmenge zu mir genommen habe, mit der eine Abnahme niemals möglich wäre, ich habe auch meinen Verdauungstrakt völlig überfordert. Der ist bei mir nämlich recht empfindlich und kann solch schwer verdauliche Nahrung jeden Tag gar nicht gut vertragen. Dadurch hat sich auch der Teil mit der Energieversorgung für mein Gehirn nie bewahrheitet, denn mein Körper war so mit Verdauen beschäftigt, dass ich immer total müde wurde nach dem Essen.

Langfristige Veränderungen

Eine gesunde Entscheidung wäre also gewesen, meine Frühstücksgewohnheiten zu verändern. Tatsächlich gelungen ist es mir aber erst nach der Magenoperation. Heute frühstücke ich immer noch auf der Arbeit. Mein Frühstück besteht aber entweder aus Joghurt mit Haferflocken, Müsli und Obst, oder Porridge mit Obst. Dafür fülle ich einmal pro Woche meine Vorräte auf, den Einkauf dafür erledige ich meist zusammen mit den Einkäufen für Zuhause. Äpfel halten sich zum Beispiel recht lang und auch die meisten anderen Zutaten.

Wäre ich heute nochmal an dem Punkt von damals, würde ich es genauso machen, um mich dazu zu bringen, ein gesünderes Frühstück zu essen. Die Sachen einkaufen und auf der Arbeit gut sichtbar hinlegen. Mit gesunden Essen ist es nämlich oft so, dass wir es auch essen, wenn es denn da ist. Stelle ich Freunden, die zu Besuch sind, zum Beispiel aufgeschnittenes Obst hin, dann wird das mindestens so gut weggegessen wie Bonbons und Chips.

Kleine Schritte und Tricks

Versuche ebenso an den letzten Schritt ran zu gehen. Überliste Dich selbst. Stell Dir das gesunde Essen hin. Verabrede Dich für die Mittagspause mit Kollegen, von denen Du weißt, dass sie gesund essen oder einen Spaziergang machen. Schaffe Alternativen und fange mit kleinen Schritten an.

Außerdem solltest Du Dich fragen, was genau Dir an der jeweiligen Gewohnheit so gut gefällt. Ist es wirklich das Essen im Imbiss, und das jeden Tag, oder vielmehr die Möglichkeit, Zeit mit Deinen Lieblingskollegen zu verbringen. Falls es letzteres ist, dann gibt es vielleicht andere Möglichkeiten, dies zu erreichen, ohne eine ungesunde Routine zu pflegen.

Immer mit der Ruhe

Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass es nicht darum geht, von einem Tag auf den anderen Dein Leben umzukrempeln. Wenn es Sachen gibt, auf die Du wirklich nicht verzichten möchtest, dann tu es auch nicht. Dann fang mit etwas anderem an. Und fang mit einer kleinen neuen Routine an. Wenn die nach ein paar Wochen sitzt, dann nimm Dir die nächste vor.

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