Radikale Akzeptanz

Zum Anfang möchte ich Dir einen Hinweis geben: Dies ist der erste Teil eines zweiteiligen Artikels. Im ersten Teil stelle ich Dir das Konzept der radikalen Akzeptanz vor und erkläre, warum sie so wichtig ist. Außerdem gehe ich darauf ein, welche Bestandteile Deiner Welt Du nicht direkt beeinflussen kannst. Im zweiten Teil, gehe ich ausführlich darauf ein, was Du beeinflussen kannst und auf welche Weise. Diesen zweiten Teil findest Du hier.

Die Situation akzeptieren wie sie ist…

Als ich zum ersten Mal mit dem Konzept der radikalen Akzeptanz konfrontiert wurde habe ich es nicht verstanden. Um ganz ehrlich zu sein wollte ich es wohl auch nicht verstehen.

Ich sollte die Situation akzeptieren wie sie ist? Ich sollte akzeptieren dick zu sein? Ich sollte akzeptieren mich in meinem Körper unwohl zu fühlen und unglücklich zu sein? Das konnte doch nicht ernst gemeint sein! Das würde ja bedeuten aufzugeben. Dann würde sich ja nie etwas ändern!

Doch das sind falsche Schlussfolgerungen.

Radikale Akzeptanz

Die radikale Akzeptanz ist ein Konzept, das von Marsha Linehan aus dem Zen-Buddhismus übernommen wurde in ihr Therapiekonzept. Es geht bei der radikalen Akzeptanz nicht darum, alle Anstrengungen aufzugeben, sondern es geht darum, sie in die richtigen Bahnen zu lenken.

Wir alle haben nur eine bestimmte Energie am Tag zur Verfügung. Irgendwann ist diese aufgebraucht und wir fühlen uns erschöpft. Verwenden wir diese Energie auf Dinge, die uns nicht helfen, dann bleibt keine mehr übrig, um die hilfreichen Dinge anzugehen.

Ohne Akzeptanz sind wir Gefangene

Oft sind wir gefangen in unserem Bemühen, die Realität nicht akzeptieren und uns unseren Gefühlen nicht stellen zu wollen. Das geht von ganz kleinen Realitäten, wie dass die Milch alle ist (haben wir nicht alle in solch einer Situation nicht noch dreimal nachgesehen, ob wirklich keine mehr da ist und dann noch eine Weile verzweifelt in den Kühlschrank zu starren) bis zu ganz großen Dingen, wie eine chronische Erkrankung. Und ebenso von kurzfristigen Gefühlen wie Frust darüber, dass uns das Abendessen nicht gelungen ist, bis hin zu Gefühlslagen, die uns seit Jahren belasten können, wie die Angst vor dem allein sein.

Doch wenn wir unsere Energie auf dieses Vermeidungsverhalten konzentrieren, dann ist keine Energie mehr da, um unsere Realität oder unsere Gefühle zu verändern. Nicht nur das, dadurch, dass wir uns unsere Lage nicht bewusst machen, verhindern wir sogar, dass wir den richtigen Ansatzpunkt finden, um unser Leben nachhaltig zu verändern.

Schmerz und Leid

Verschließen wir nicht mehr die Augen vor dem, was ist und was wir fühlen, dann verursacht dies Schmerz. Wir fühlen den Schmerz, denn uns die Umstände, wie zum Beispiel eine Scheidung, verursachen. Wir fühlen den Schmerz, den uns unsere Gefühle verursachen, wie zum Beispiel durch die Angst, die eine Diagnose in uns auslösen kann. Vor diesem Schmerz versuchen wir uns zu schützen, was eine sinnvolle Reaktion sein kann, die uns in schlimmen Situationen handlungsfähig hält. Doch wenn wir uns daraus nicht mehr lösen können, dann hält uns diese Schutzreaktion in dem Leid fest, das die aktuelle Situation für uns bedeutet.

Die Gegebenheiten zu akzeptieren kann uns Ruhe geben und uns handlungsfähig machen.
Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash

Akzeptanz macht uns handlungsfähig

Zu akzeptieren, dass die Situation und Deine Gefühle so sind, wie sie sind, gibt Dir die Macht, Deine Situation zu ändern. Denn dann kannst Du erkennen, was Du tun kannst um Deine Lage zu verändern. Was Dir hilft, Deinen Weg zu einem zufriedeneren und glücklicheren Leben zu finden.

Doch wie unterscheidest Du die hilfreichen von den nicht hilfreichen Dingen? Das ist an sich nicht schwer, im Grunde geht es um die Unterscheidung zwischen den Dingen, die Du ändern kannst, und denen, die Du nicht ändern kannst.

Was Du nicht ändern kannst

Die Vergangenheit akzeptieren

Was Du nicht ändern kannst ist Deine Vergangenheit, egal ob ein vergangener Moment viele Jahre oder nur eine Sekunde zurückliegt. Du kannst nicht ändern, was Dir wiederfahren ist und was Du getan, sagt oder gedacht hast. Das zu akzeptieren ist schon ein großer Brocken.

Viele Menschen, und mir ging es früher auch so, hadern mit Ihrer Vergangenheit. Sie fragen sich, warum bestimmte Dinge gerade ihnen wiederfahren mussten. Warum sie krank werden mussten. Wieso sie von anderen Menschen, seien es Familienmitglieder, Kollegen, Schulkameraden oder irgendjemand anderem, so schlecht behandelt wurden. Warum ihnen diese Leid angetan haben. Oder auch warum ihnen diese oder jene Schicksalsschläge wiederfahren mussten. Sie durchleben diese Momente immer wieder in ihren Gedanken. Und damit sind sie in gewisser Weise in diesen Erlebnissen gefangen.

Aber was Dir in der Vergangenheit wiederfahren ist, das kannst Du nicht ändern. Es ist passiert. So und nicht anders. Es hat Dich zu dem Menschen gemacht, der Du jetzt bist. Das lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Wenn Du aber akzeptierst, dass Dir diese Dinge wiederfahren sind, sie dich unwiderruflich geformt haben und nun ein Teil von Dir sind, dann befreist Du Dich ein Stück weit von ihnen. Sie nehmen dann in Deinem Leben jetzt und in Zukunft nicht mehr einen so großen Raum ein und es ist Platz für Neues!

Die Gegebenheiten akzeptieren

Was Du ebenfalls nicht ändern kannst, ist die Gegenwart. Mit Gegenwart meine ich diesen einen Moment, diese Sekunde. In dieser Sekunde sind die Gegebenheiten wie sie sind. Du bist wie Du bist. Dein Körper und Deine Situation sind wie sie sind. Das sie so sind, dafür mag es gute Gründe geben, oder auch nicht, aber ob das so ist ändert nichts daran, dass die Situation so ist.

Akzeptiere, wo Du jetzt stehst, ohne es zu bewerten. Du magst Deine Situation gut oder schlecht, angenehm oder unbequem finden, aber das ist alles relativ. Jemand anderes wäre vielleicht froh, in Deiner Lage zu sein und auch Du wirst den aktuellen Gegebenheiten im Nachhinein vielleicht etwas Gutes abgewinnen können. Wichtig ist jetzt nur, dass Du Dir Deine Situation bewusst machst. Nicht die Augen verschießt, vor dem das ist. Stell Dich der Realität ohne daran zu denken, dass Du Dir einiges oder alles anders wünschen würdest.

Die anderen akzeptieren

Außerhalb Deiner Macht liegt es auch, die anderen zu ändern. Ob Du Deinen Chef nicht magst, Deine Nachbarin dich nervt, die Kollege unerträglich ist oder Du Deinen Partner gern so oder so hättest. Anderen Menschen zu verändern liegt außerhalb Deiner Möglichkeiten. Sie können sich nur selber ändern und Du kannst ihnen diese Veränderung nicht aufzwingen. Und dein Leben sollte nicht davon abhängen, ob sie sich in der von Dir gewünschten Weise ändern. Denn dann machst Du Dich von Dingen abhängig, die nicht in Deiner Hand liegen.

Was Du ändern kannst

Deine Gedanken und Taten

Deine Gedanken und Taten gehören Dir und nur Dir. Sie sind das, was Du kontrollieren und gestalten kannst. Sie formen Dein Leben und Deine Welt. Durch sie entscheidest Du, wie Deine Realität aussieht und wie Dein weiterer Weg sich entwickelt.

Da dies ein sehr wichtiger Punkt ist, werde ich darauf in einem zweiten Teil intensiv eingehen. Für den Moment möchte ich Dich bitten, über das gelesene nachzudenken und es für Dich zu reflektieren. Falls Du mehr zu der radikalen Akzeptanz lesen möchtest, dann empfehle ich Dir folgenden Artikel: Link

Falls Du Fragen hast, dann schicke mir gern eine Mail oder nutze das Kontaktformular und hinterlasse mir gern einen Kommentar zu diesem Artikel.

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1 Kommentar zu „Radikale Akzeptanz“

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