Versagen?!

In seinem Gastbeitrag hat Luke von www.puravida.de über das Aufgaben geschrieben und was Du tun kannst, wenn Du Dich fragst, ob Du ein bestimmtes Ziel weiterverfolgen sollst.

In diesem Artikel möchte ich dazu noch ein paar Gedanken mit Dir teilen, denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Aufgaben sich oft wie Versagen anfühlt. Doch fast genau so oft stimmt das nicht und wir haben nicht versagt. Es wird uns nur immer vermittelt, wir hätten versagt, wenn wir ein bestimmtes Ziel nicht erreichen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob das Ziel vielleicht unrealistisch war, eigentlich nicht zu uns gepasst hat oder zwischenzeitlich Veränderungen eingetreten sind, die das Ziel überflüssig gemacht haben.

Ich bin eine Versagerin, oder?

Um meine Aussage zu verdeutlichen möchte ich Dir von einigen Situationen in meinem Leben erzählen, in denen ich aufgegeben habe:

Versagen im Beruf

Direkt nach meinem Schulabschluss habe ich ein Studium begonnen, welches ich nach 2 Semestern abgebrochen habe. Es war ein Ingenieurs-Studium und weder habe ich eine Begabung in diesem Bereich, noch bin ich dafür gemacht, mich in einer Männerdomäne durchzusetzen. Ich habe nur schlechte Noten geschrieben und es war nur eine Frage der Zeit, bis die Uni mich gezwungen hätte, das Studium abzubrechen. Während ich also eine Prüfung nach der anderen vergeigte wurde mir immer klarer, dass ich dieses Studium nicht schaffen würde und dass ich es eigentlich auch nur begonnen hatte, um meinem Vater zu gefallen. Gegen den Widerstand meiner Eltern brach ich das Studium ab und begann eine kaufmännische Ausbildung, die ich mir ganz allein ausgesucht hatte, und die bis heute der Ausgangspunkt meiner beruflichen Karriere ist.

Versagen in der Liebe

Mit 19 begann ich eine Beziehung mit einem Mann, die ich nach 7 Jahren beendete. Wenn ich ganz ehrlich mit mir bin, dann hätte ich schon nach etwas mehr als einem Jahr realisieren können, dass wir nicht zusammenpassten, aber ich wollte es nicht wahrhaben. Wir hatten viele, teils heftige Krisen und irgendwann kam einfach der Punkt, an dem es zu viel Energie kostete, die Beziehung aufrecht zu erhalten. Als ich die Trennung meiner Familie mitteilte kam die Frage, ob ich denn nicht ein bisschen mehr Toleranz zeigen könnte, denn er sei doch so nett. Und ich würde ja auch nicht jünger werden und es sein doch langsam Zeit zum Heiraten und Kinder bekommen. Aber ich wollte lieber allein ein bisschen glücklich, als in einer Beziehung unglücklich sein.

Versagen am eigenen Körper

Ich kann nicht mehr zählen, wie viele Diäten ich abgebrochen habe, ohne auch nur annähernd mein Zielgewicht zu erreichen. Rückblickend war der Hauptgrund dafür, dass ich ein Stressesser bin. Umso mehr Stress ich habe, desto schlechte ist meine Ernährung. Nun habe ich von meinen Eltern nicht beigebracht bekommen, mit Stress umzugehen und schon mein Hauptberuf im Konzernumfeld stresst mich regelmäßig. Wenn dann noch privater Stress dazu kommt, dann ist es für mich unmöglich, eine Diät durchzuhalten, denn hochkalorisches Essen ist für mich Stresskompensation. Es war mir also eigentlich unmöglich, über reine Veränderung der Ernährung abzunehmen und so scheiterte ich immer wieder mit meinen ambitionierten Diätplänen.

Versagen macht keinen Spaß, aber es ist manchmal nötig

Nun will ich hier nicht dafür eintreten, immer einfach aufzugeben, wenn es schwierig wird. Durchhaltevermögen, Disziplin und langfristiges Denken sind sehr wichtige Fähigkeiten, wenn Du Deine Ziele erreichen willst.

Ich möchte aber dafür eintreten, dass wir es nicht mehr sofort verurteilen oder abwerten, wenn jemand zu der nachvollziehbaren Entscheidung kommt, ein bestimmtes Vorhaben nicht mehr länger verfolgen zu wollen. Wir sollten es hochschätzen, wenn jemand einen Versuch wagt und ein schwieriges Vorhaben angeht. Aber wir sollten es auch genauso hochschätzen, wenn jemand reflektiert genug ist um zu erkennen, dass der Zeitpunkt gekommen ist, ein bestimmtes Vorhaben aufzugeben und die eigene Energie auf etwas anderes zu richten.

Versagen fühlt sich nicht gut an, aber es schafft Raum für Neues

Foto von Anthony Tran auf Unsplash

Es wird in unserer Gesellschaft heroisiert, trotz widrigster Umstände durchzuhalten. Alles einem bestimmten Ziel unterzuordnen und alles zu opfern, um dieses Ziel zu erreichen. Es gibt eine Unzahl an Filmen, die genau davon handeln. In denen der Held zielstrebig und unnachgiebig auf sein Ziel hinarbeitet und dieses am Ende natürlich auch erreicht. Oft, nachdem er selbst großen psychischen Belastungen ausgesetzt war und sein gesamtes soziales Umfeld verloren hat.

Und ganze Industriezweige leben davon, uns zu erzählen, wir müssten es nur genug wollen und diszipliniert genug sein und natürlich das passende Produkt kaufen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Wobei es natürlich nicht am Produkt liegt, wenn wir das dann nicht schaffen, sondern an uns.

Doch wann habe ich versagt? Wenn ich mein Ziel nicht erreiche, oder wenn ich es gar nicht erst versucht habe? Wenn ich ewig einem unrealistischen Traum nachjage, oder wenn ich reflektiert genug bin um zu erkennen, dass mir auch andere Lebensbereiche wichtig sind und der Preis zu hoch ist. Wenn ich ein glückliches und zufriedenes Leben führe, in dem ein Gleichgewicht herrscht, oder wenn ich alles einem bestimmten Ziel unterordne und dieses über Jahre mein Leben bestimmt?

Du entscheidest, welches der richtige Weg ist

Wenn Du also gerade überlegst, ob es Zeit wird, ein bestimmtes Vorhaben aufzugeben, dann frage Dich nicht, was andere Menschen darüber denken werden. Frage Dich nicht, ob Du dann als Versagerin dastehst. Sondern frage Dich, ob das Ziel eigentlich noch attraktiv für Dich ist. Kannst Du Dein Ziel vielleicht anpassen? Insbesondere, wenn es ein wichtiger Teilschritt auf dem Weg zu einem größeren Ziel ist, dann ist es vielleicht besser, über alternative Wege zum Ziel nachzudenken, als nur zwischen „so weiter machen“ und „alles hinschmeißen“ zu wählen.

Frage Dich, wie Du Erfolg definierst. Wann führst Du ein Leben, mit dem Du zufrieden und auf das Du stolz bist? Und was für ein Mensch möchtest Du sein? Die Antworten auf diese Fragen dürfen sich im Laufe Deines Lebens ändern und sie werden es mit großer Wahrscheinlichkeit tun. Wenn Du den Weg zu Deinem Ziel also schon vor längerer Zeit begonnen hast, dann macht es Sinn, Deine Antworten auf diese Fragen zu erneuern und anschließend Dein Ziel zu überprüfen. Es ist keine Schande, ein Ziel aufzugeben, dass einfach nicht mehr zu Deinem Leben, Deinen Lebenszielen und Deinen Werten passt.

Nimm Dir die Zeit, ehrlich mit Dir zu sein und Deine Antworten zu finden. Egal, welche Entscheidung Du dann triffst, es sind Deine Entscheidungen und Dein Leben. Die Meinung Anderer ist dabei absolut nachrangig.

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