Wie gewinne ich Klarheit?

Oft geraten wir im Leben an Punkte, in den wir uns mehr Klarheit wünschen. Klarheit über uns selbst, über andere, über unsere Wünsche und Bedürfnisse. Aber auch über das Leben im Allgemeinen, die Welt und die Zukunft. Das ist nur allzu verständlich, wenn auch nicht immer möglich. Doch es gibt einige Wege und Möglichkeiten, die Du für Dich nutzen kannst, um mehr Klarheit gewinnen, sowohl im Allgemeinen, als auch in speziellen Situationen.

Innere Klarheit hilft Dir, bessere Entscheidungen zu treffen und Deinen Weg zu gehen.

Foto von Jacob Dyer auf Unsplash

Was ist geistige Klarheit?

Zunächst einmal beginnt Klarheit mit innerer, geistiger Klarheit. Also Klarheit über Dich selbst und über Dein Innenleben. Denn Niemand sieht die Welt so, wie sie ist. Auch Du und ich nicht. Wir alle sehen die Welt durch eine Brille, die durch alles Mögliche eingefärbt und verzerrt ist. Durch Deine Erfahrungen, Meinungen, Wünsche, Ziele, Beziehungen und so weiter.

Schaffst Du es nun, Klarheit über Dich selbst zu erlangen, so gibst Du Dir die Möglichkeit die Verzerrungen und Verfärbungen Deiner Brille zu verringern und dadurch der objektiven Sicht auf Dich, die Welt und alles weitere einen großen Schritt näher zu kommen. Denn wenn Du weißt, in welchen Situationen Du eher zu starken Emotionen neigst, wann Deine Vergangenheit starken Einfluss auf Deine Entscheidungen hat oder welche Aspekte Du oft außenvor lässt, dann weißt Du auch, wo Du ansetzen musst, um mehr Klarheit über Deine Welt zu erlangen.

Geistige Klarheit beginnt also mit Selbsterkenntnis.

Du musst Dir klar werden über Deine Stärken und Schwächen, über Deine blinden Flecken und die Einflüsse, die jetzt und zu anderen Zeiten auf Dich einwirken und eingewirkt haben.

Dazu gehören zum Beispiel die folgenden Aspekte:

  • Was glaube ich über mich selbst? Was kann ich gut und was nicht? Was mag ich und was nicht?
  • Was denke ich, was andere über mich glauben?
  • Welche Erfahrungen habe ich gemacht, die mein Selbstbild maßgeblich geprägt haben?
  • Wie spreche ich mit mir selbst? Eher auffordernd und unterstützend oder eher zweifelnd und kritisch?
  • Gibt es Themen, die in meinem Leben immer wieder auftauchen, ohne dass ich eine zufriedenstellende Lösung oder Antwort darauf finden kann?
  • Welche Personen habe ich um mich versammelt und warum? Wie beeinflussen diese Personen, wie ich mich selbst sehen und wie ich meine Entscheidungen treffe?
  • Wie reagiere ich in gestimmten Situationen? Wann gewinnen meine Gefühle die Überhand?

Wie bekomme ich mehr Klarheit?

Wie genau gewinnst Du nun aber mehr Klarheit über Dich? Dazu möchte ich Dir hier 4 ganz konkrete Werkzeuge an die Hand geben. Diese Werkzeuge decken bei weitem nicht alle oben angesprochenen Aspekte ab, sind aber schon ein sehr guter Start und werden Dir helfen, auch in den anderen Punkten ganz automatisch schon Fortschritte zu machen.

Werkzeug 1: Der VIA-Stärkentest

Dieser Test wurde von den Psychologen Christopher Peterson and Martin Seligmann entwickelt und von der Universität Zürich ins Deutsche übersetzt. Online kann diese deutsche Version kostenlos durchgeführt werden. Der Test umfasst 240 Fragen und Aussagen, die Du danach einschätzt, wie sehr sie auf Dich zutreffen.  

Das Ziel dieses Tests ist es, Dir eine Einschätzung dazu zu geben, über welche psychologischen Stärken Du verfügst. Dabei werden 24 Stärken unterschieden, die in 6 Kategorien (sogenannte Tugenden) zusammengefasst werden.

Die 6 Tugenden:

  1. Weisheit und Wissen: Wie gut kannst Du Dir neues Wissen aneignen und es für Dich nutzen?
  2. Mut: Wie Willensstark bist Du, wenn es darum geht mit Herausforderungen und Hindernissen umzugehen?
  3. Menschlichkeit: Wie gut gelingt es Dir, mit anderen Personen in Kontakt zu treten und starke Bindungen aufzubauen?
  4. Gerechtigkeit: Wie wichtig sind Dir Fairness, Gleichheit und Gerechtigkeit?
  5. Mäßigung: Gelingt es Dir, Dich für ein höheres Wohl oder einen späteren Gewinn zurück zu nehmen?
  6. Transzendenz: Welchen Stellenwert haben Werte wie Dankbarkeit, Hoffnung, Humor und Spiritualität in Deinem Leben?

Dabei geht der Test davon aus, dass wir alle über all diese Tugenden und Stärken verfügen, nur in unterschiedlichen Ausprägungen. Das Ergebnis des Tests ist als eine Liste der Stärken, die danach sortiert ist, wie sehr diese bei Dir ausgebildet sind. Zudem kannst Du Dir ein neun seitiges PDF herunterladen, dass Dir bei der Interpretation der Ergebnisse hilft.

Den Test kannst Du unter https://www.persoenlichkeitsstaerken.ch/ durchführen.

Dieser Test ermöglicht es Dir, einen neuen Blick auf Dich zu gewinnen und regt auch zur Selbstreflektion an, insbesondere, wenn das eine oder andere Ergebnis vielleicht nicht in das Bild passt, dass Du von Dir selbst hast. Ich kann Dir nur raten, die Zeit für den Test und die Auswertung zu nehmen und auch das Ergebnis eine Weile auf Dich wirken zu lassen.

Frage die richtigen Menschen um Rat!

Foto von Pricilla du Preez auf Unsplash

Werkzeug 2: Persönlichen Rat der Weisen bestimmen

Wen fragst Du um Rat, wenn Du ein Problem lösen musst oder vor einer Herausforderung stehst? Die meisten von uns fragen entweder immer die gleichen Personen (Mama, die beste Freundin, den Partner), oder wer immer grad zur Verfügung steht (die Freundin, mit der Du heute zum Laufen oder Shoppen verabredet bist).

Aber sind dies wirklich die Personen, die Dir bei dem jeweiligen Problem den besten Rat geben können? Sind diese Personen in dem Bereich, in dem Dein Problem liegt, ein Vorbild? Haben Sie überhaupt Erfahrungen mit Fragestellungen wie diesen? Sind sie in der Lage, aus ihrer eigenen Sicht herauszutreten und Dir das zu raten, was sie für das Beste für Dich halten, oder raten sie Dir nur, was sie tun würden?

Es ist wichtig, dass Du die richtigen Personen zu den jeweiligen Themen befragst, die Dich grad umtreiben. Diese Personen sollten irgendeine Art vor Expertise besitzen oder zumindest in der Lage sein, aus ihrer eigenen Weltsicht ein Stück weit hinaus zu treten und sich in Dich hineinzuversetzen. Dafür müssen diese Personen auch gar nicht über besonderes Fachwissen verfügen oder speziell geschult sein. Auch musst Du nicht DIE eine Person finden, die Dir alle Frage beantwortet.

Du kannst Dir Deinen ganz persönlichen Rat der Weisen zusammenstellen. Am Besten nimmst Du dafür ein Blatt Papier und einen Stift und schreibst untereinander Deine verschiedenen Lebensbereiche (Partnerschaft, Elternschaft, Karriere usw.). Anschließend konzentrierst Du Dich immer auf genau einen Lebensbereich und überlegst Dir, wen Du kennst, den Du für seine Lebensführung in diesem Bereich bewunderst.

Wen bewunderst Du für die Partnerschaft, die erführt. Für seine liebevolle und wertschätzende Beziehung? Wen siehst Du als Vorbild in Sachen Kindererziehung? Und wem möchtest Du nacheifern, wenn es um Deine Karriere geht? So gehst Du nach und nach durch alle Lebensbereiche, die Du aufgeschrieben hast und schreibst dazu, wer als Ratgeber zu diesem Thema in Deinem Rat der Weisen sitzen soll.

Falls Dir keine Person einfällt, mit der Du direkt Kontakt hast, dann überlege Dir, ob es Menschen gibt, die Du nicht persönlich kennst, die Dich beeindrucken.

Hast Du nun ein Problem, dann kannst Du auf Deine Liste schauen und weißt genau, wen Du wann um Rat fragen solltest. Kennst Du die Person nicht persönlich, so musst Du Deine Phantasie bemühen, um Dir ihre Antwort vorzustellen.

Dieser Rat der Weisen ist ein sehr mächtiges Werkzeug, um mehr Klarheit zu erlangen. Denn zum einen musst Du nun nicht mehr aus einer Vielzahl von Antworten diejenige heraussuchen, die Dir vielleicht irgendwie weiterhilft, sondern Du bekommst direkt die Antwort, die Dir vermutlich am ehesten hilft, Dein Problem zu Deiner Zufriedenheit zu lösen.

Zum anderen habe ich ja schon gesagt, dass wir die Welt nur verfärbt und verzerrt wahrnehmen. Das tut jede Person in Deinem Rat der Weisen natürlich auch. Aber umso mehr unterschiedliche Sichtweisen auf ein Thema zusammenkommen, umso mehr nähern wir uns einer absoluten Wahrheit an. Diese werden wir natürlich nie erreichen, aber dann sollte das, was wir sehen, doch zumindest so durch andere beeinflusst werden, dass es uns hilft, unterstützt, Hoffnung macht und Freude bringt.

Werkzeug 3: Feedback kritisch betrachten

Wir bekommen ständig Feedback, oft ohne es zu wollen oder danach gefragt zu haben. Jede Reaktion auf etwas, dass wir tun oder sagen ist ein Feedback. Natürlich ganz zu schweigen von den offiziellen Feedback Gesprächen, die Du vermutlich auch von Deinem Arbeitsplatz kennst.

Ich habe noch gelernt, dass Feedback etwas ist, dass man unkommentiert hinzunehmen und umzusetzen hat. Egal, ob dieses Feedback die eigene Arbeitsweise, Persönlichkeit, Kleidung, Art zu Lachen oder was auch immer betrifft. Mir wurde eingeimpft, für Feedback dankbar zu sein und mich anhand des Feedbacks zu hinterfragen.

Bis zu einem gewissen Grad ist da auch viel Richtiges dran. Zum Beispiel sollte man für Feedback immer dankbar sein, denn Feedback zu geben ist für viele Menschen auch nicht einfach. Sie haben Angst, Dich vor den Kopf zu stoßen, Dich zu verletzen und auch vor Deiner Reaktion.

Und natürlich sollte man sich auch anhand der Feedbacks hinterfragen, aber bevor Du Dich hinterfragst, solltest Du zuerst das Feedback hinterfragen:

  • Wer hat Dir dieses Feedback gegeben? Was für eine Persönlichkeit und welche Vorlieben hat diese Person? Ist sie ein Vorbild in dem Bereich, in dem sie Dir Feedback gibt?
  • Möchtest Du das Feedback überhaupt annehmen? War Dir das, worum sich das Feedback dreht, unbewusst, oder hast Du absichtlich so gehandelt, im Bewusstsein der möglichen Konsequenzen?
  • Bringt Dich das Feedback weiter, oder stellt es einfach eine These oder eine Meinung in den Raum, ohne dass Du daraus wirklich etwas lernen kannst?
  • Handelt es sich bei dem Feedback um eine Einzelmeinung oder bestätigen andere diese Ansicht oder Erfahrung?

Diese Überlegungen helfen Dir, das Feedback zu filtern und Dich nicht überkritisch anhand von allem zu hinterfragen, was Du zurück gespiegelt bekommst. Sei Dir bewusst, dass Feedback immer auch etwas über die Erfahrungen, Weltsicht und Wünsche Deines Gegenübers aussagt. Du kannst Dich entscheiden, diesen einen hohen Wert für Dich beizumessen, Du kannst aber auch einfach anerkennen, dass diese Person diese Meinungen und Ansichten hat, ohne dass diese Dein weiteres Leben bedeutend beeinflussen müssen.

Journaling ist ein wichtiges Werkzeug, dass Dir hilft, Klarheit zu gewinnen.

Foto von Daria Shevtsova auf Unsplash

Werkzeug 4: Tagebuch führen

Ich weiß, das ist ein alter Hut, deswegen aber nicht weniger wirksam. Nichts hilft so gut, um die eigenen Gedanken zu sich selbst zu hinterfragen, wie Tagebuch schreiben. Warum?

Es fällt schwer zu glauben, dass Du nichts geregelt bekommst, wenn Du jeden Tag Deinen Erfolg des Tages festhältst.

Du kannst nicht alles schwarzsehen, wenn Du jeden Tag drei Dinge aufschreibst, für die Du dankbar bist.

Und Du kannst nicht weiter Deine Fortschritte wegwischen, wenn Du jeden Tag in dein Journal einträgst, was Du heute für die Erreichung Deiner Ziele getan hast.

So einfach ist das.

Wir hören den ganzen Tag unseren Gedanken zu, und oft sind diese nicht besonders nett zu uns. Aber nun hast Du schwarz auf weiß, was Du alles erreichen kannst und was es alles Schönes und Liebenswertes an Dir und in Deinem Leben gibt. Immer, wenn Deine Sicht zu sehr von Deinen Gedanken und Gefühlen verzerrt wird, dann kannst Du Dir Deine eigenen Beweise vorlegen, die Deine Sicht wieder ein bisschen geraderücken.

Warum ist Klarheit wichtig?

Wenn Du immer nur damit beschäftigt bist, normal zu sein, dass wirst Du nie herausfinden, wie außergewöhnlich Du sein kannst.

Maya Angelou

Alle Werkzeuge, die ich oben genannt habe, bedeuten einen gewissen Aufwand für Dich. Klarheit zu erlangen ist anstrengend und wird Dich einige Zeit und Mühe kosten. Doch das alles lohnt sich, aus vielen Gründen.

Zunächst wirst Du Dir Deiner inneren Hemmnisse und Widerstände, Zweifel und negativen Glaubenssätze, Ängste und blockierenden Erfahrungen bewusst. Und damit bist Du schon einen riesigen Schritt weiter, denn nun weißt Du, wo Du ansetzen kannst, um Veränderungen in Dein Leben zu bringen. Zudem erkennst Du auf diesem Weg vielleicht schon, wo Du Dich in der Vergangenheit immer selbst ausgebremst und frustriert hast. Solchen selbstgeschaffenen Frust künftig vermeiden zu können wird bei Dir viel Energie für andere Themen freisetzen.

Klarheit wird auch Dein Selbstbewusstsein und Dein Selbstvertrauen stärken. Denn mit mehr Klarheit über Dich selbst wirst Du wissen, was Du gut kannst, wo Deine Stärken liegen und welchen Beitrag Du leisten kannst. Gleichzeitig wird es Dir leichter gelingen dort Hilfe anzunehmen, wo Du sie brauchst.

Zudem wird es Dir deutlich leichter fallen, in Auseinandersetzungen und Diskussionen sachlich zu bleiben. Dann wenn Du Dich selbst kennst, dann können Dich Äußerungen Deines Gegenübers nicht so leicht verunsichern und Du wirst nicht jede Äußerung auf Dich beziehen. Außerdem wirst Du wissen, wann eine Person unabsichtlich bei Dir ein altes Muster aktiviert, das nichts mit der aktuellen Situation zu tun hat, sondern in Deiner Vergangenheit angelegt wurde. Das gibt Dir die Möglichkeit, dieses Muster zu stoppen und Dich für eine andere Reaktion zu entscheiden.

Wird Klarheit die Lösung für all meine Probleme sein?

Kochendes Wasser mach ein Ei hart und eine Kartoffel weich. Du kannst nicht beeinflussen, ob Du Kartoffel oder Ei bist, aber Du kannst eine Umgebung wählen, in der Deine Weichheit oder Härte Dir einen Vorteil verschaffen. 

James Clear

Trotz all dieser positiven Aspekte wird Klarheit allein nicht Deine Probleme lösen und Dich glücklich machen. Tatsächlich kann sie im ersten Moment auch dazu führen, dass es Dir schlechter geht, denn nicht immer gefällt uns das, was wir sehen, wenn wir denn hinschauen.

Aber sie ist die Ausgangsbasis für alles, was Du in Deinem Leben verändern und erreichen möchtest. Nur wenn Du Dich, Deine Ziele und Motive, Deine Glaubenssätze und inneren Muster kennst, kannst Du die richtigen Schritte in die richtige Richtung machen, um Dir Deine Zukunft zu erschaffen.

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